Die Befristung von Arbeitsverträgen im Profifußball

Allgemeines zur Befristung von Arbeitsverträgen

Grundsätzlich sieht das Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) strikte Grenzen bezüglich befristeter Arbeitsverträge vor. Befristet beschäftigt ist ein Arbeitnehmer immer dann, sofern der Arbeitsvertrag für eine bestimmte Zeit geschlossenen wurde (§ 3 TzBfG). Eine Befristung soll allerdings immer nur dann zulässig sein, wenn sie durch einen sachlichen Grund gerechtfertigt ist. Ein solcher Grund liegt nach § 14 I TzBfG zum Beispiel dann vor, wenn der betriebliche Bedarf an der Arbeitsleistung nur vorübergehend besteht (Nr. 1), der Arbeitnehmer zur Vertretung eines anderen Arbeitnehmers beschäftigt wird ( Nr. 3) oder die Eigenart der Beschäftigung die Befristung rechtfertigt (Nr. 4). Sofern kein Grund des § 14 TzBfG vorliegt und die Befristung länger als auf 2 Jahre angelegt ist, gilt das Arbeitsverhältnis als unbefristet geschlossen. Eine Ausnahme dieser Regelung kann lediglich dann greifen, wenn der Arbeitnehmer bei Beginn des Arbeitsverhältnisses bereits das 52. Lebensjahr vollendet hatte.
Auch im Profisport stellen Verträge, sowohl zwischen Vereinen mit Trainern, als auch zwischen Vereinen und Lizenzspielern, unstreitig Arbeitsverträge dar. Arbeitnehmer sind Personen, die aufgrund eines privatrechtlichen Vertrages im Dienste eines anderen in persönlicher Abhängigkeit zur Arbeit verpflichtet sind. Dies trifft auf beide Gruppen zu.
Fraglich ist allerdings, ob im Profifußball sachliche Gründe für eine Befristung der Verträge, wie in der Branche mittlerweile üblich, überhaupt gegeben sind.

Befristung von Arbeitsverträgen mit Trainern

Als sachlicher Grund für eine Befristung gemäß § 14 TzBfG wird bei Trainern zumeist das Argument der Eigenart der Arbeitsleistung, spezieller der Verschleißtatbestand nach § 14 I 2 Nr. 4 TzBfG angeführt. Das Bundesarbeitsgericht hat allerdings in zwei Entscheidungen deutlich gemacht, dass ein „allgemeiner Verschleiß“ als Befristungsgrund eine Umgehung des Kündigungsschutzes im Arbeitsverhältnis darstelle. Dies wird darauf zurückgeführt, dass auch zahlreiche andere Berufe eine ähnliche Routine und somit einen Abnutzungsprozess aufweisen. Ein allgemeiner Verschleiß durch ein Nachlassen der Motivation komme praktisch in jedem Arbeitsverhältnis vor und reiche somit nicht aus, einen Sachgrund für eine Befristung darzustellen.
Das BAG betonte weiter, dass nur der drohende Verschleiß der persönlichen Beziehung des Trainers zu den einzelnen Sportlern das Auswechslungsbedürfnis begründen könne.
Im Ergebnis ist eine Befristung zwar nicht grundsätzlich unmöglich, allerdings müsse der Verein sachlich relevante Eigenarten des Trainers vorlegen, die eine Befristung begründen.

Befristung von Arbeitsverträgen mit Spielern

Die Befristung von Arbeitsverträgen im Profifußball ist Gegenstand eines laufenden Verfahrens. Protagonist ist dabei Ex-Profi Heinz Müller. Dieser war seit 2009 beim Profifußballverein FSV Mainz 05 als Torhüter unter Vertrag. Zunächst war Müllers Vertrag auf 3 Jahre befristet, unmittelbar darauf schloss der Verein mit dem Spieler einen weiteren Vertrag, der auf 2 Jahre befristet wurde. Seit Auslaufen seines zweiten Vertrages klagt Müller auf Weiterbeschäftigung und hält die Befristung des Arbeitsvertrages für unwirksam. Das Landesgericht Mainz bestätigte in einem ersten Urteil, dass der Vertrag zwischen dem FSV Mainz 05 und Müller nicht beendet sei, da der Verein keinen sachlich überzeugenden Grund für eine Befristung vorlegen könne. In der Entscheidung vom 19. März 2015 stellte das Gericht fest, dass ein „möglicher, drohender Verschleiß aufgrund der Beanspruchung“ keinen sachlichen Grund für eine Befristung darstelle. Ebenso könne die Befristung nicht auf eine Ungewissheit der Leistungsentwicklung aufgrund des fortschreiten des Alters gestützt werden, da dies gegen das Verbot der Altersdiskriminierung gemäß §§ 7, 1 AGG verstoße. Auch das angeführte Argument der Branchenüblichkeit könne als sachlicher Grund nicht überzeugen. Zuletzt wurde betont, dass die Befristung von Arbeitsverträge mit Fußballprofis nicht aufgrund der hohen Gehälter oder des besonderen Renommees der Spieler gerechtfertigt sei, da der Befristungsschutz grundsätzlich ebenso wenig wie der Kündigungsschutz “abkaufbar” sei.
Der beklagte Verein FSV Mainz 05 ging daraufhin in Berufung und bekam schließlich am 17. Februar 2016 vom Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz Recht. Das Landesarbeitsgericht bejahte das Vorliegen eines sachlichen Grundes nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 4 TzBfG aufgrund der Eigenart der Arbeitsleistung bei der Beschäftigung von Fußballprofis. Aufgrund einer Gesamtbetrachtung des Rechtsverhältnisses zwischen einem Fußballverein und eines Lizenzspielers stellte das Gericht fest, dass der Verein ein berechtigtes Interesse daran habe, befristete Arbeitsverträge zu schließen. Dies ergebe sich vor allem aus der „Eigenart der besonderen Notwendigkeit einer ausgewogenen, der sportlichen Zielsetzung gerecht werdenden Altersstruktur des Spielerkaders“. Des Weiteren stelle sowohl die Verletzungsgefahr, sowie das Abwechslungsbedürfnis des Publikums eine zu berücksichtigende Besonderheit dar.
Heinz Müller wollte das gekippte Urteil so nicht akzeptieren und legte Revision ein. Diese liegt nun dem Bundesarbeitsgericht in Erfurt vor.

Es bleibt abzuwarten, ob das BAG der Entscheidung des Landesarbeitsgerichts Rheinland-Pfalz folgt. Möglicherweise löst es jedoch auch eine Revolution im deutschen Profifußball aus.

Urteil des ArbG Mainz, 19.03.2015 – 3 Ca 1197/14
LAG Rheinland-Pfalz, 17.02.2016 – 4 Sa 202/15

Ihr
Rechtsanwalt Sebastian Limmer

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