Der Fallschirmspringer-Fall

Ein tragischer Fall mit einem tragischen Verlauf, bei dem effektiv Schadensbegrenzung betrieben wurde.

Ein gesunder Apotheker, der über ein umfangreiches Paket an Versicherungen in komfortabler Höhe verfügt, bekommt ein Fallschirmtandemsprung geschenkt.
Trotz nicht unproblematischer Windverhältnisse springt der Tandemmaster, der auch Vorstand des Fallschirmspringervereins ist und der von seinen eigenen Fähigkeiten sehr überzeugt ist, mit dem Apotheker aus dem Flugzeug. Davor sagte er zu ihm:

„Egal was Du tust, auch wenn Du gar nichts tust, werde ich Dich heil runterbringen.“

Bei der Landung stürzte dann das Tandempaar und unser Mandant war querschnittsgelähmt.

Juristisch sollte der Fall eigentlich einfach sein. Ein Unfall, eine Querschnittlähmung, eine bestehende Unfallversicherung und damit eine entsprechende Versicherungsleistung.

Weit gefehlt!

Zunächst ließ sich die Zürich Versicherung unter dem Deckmantel der „Baden-Badener Versicherung“ beinahe fünf Monate lang Zeit, überhaupt Stellung zu nehmen.
Man möge sich vorstellen, was das für einen Menschen bedeutet, der eigentlich von einer Zahlung in Höhe von rund 672.000,00 € ausgeht und gerade damit beschäftigt ist, seelisch zu verkraften, dass er nie wieder laufen kann. Nach all dieser Zeit teilte die Unfallversicherung dann mit, dass sie nicht zur Leistung verpflichtet ist. Die Ursache für den Unfall sei nicht von außen, sondern von innen durch die Bewusstlosigkeit des Mandanten erfolgt. Dies führt zu einem Ausschluss nach den clever formulierten Versicherungsbedingungen. Tatsache ist aber, dass der Mandant aufgrund des Unfalls eine temporäre Amnesie hatte und sich überhaupt nicht an den Unfall erinnern konnte. Es war der Tandemmaster, der – möglicherweise zu seinem eigenen Schutz – behauptet hatte, unser Mandant sei bewusstlos gewesen.

Leider erfolgte eine Mandatierung unsererseits, als die Ablehung der Leistung durch die Versicherung schon erfolgt war. Daher hieß es nun, Schadensbegrenzung zu betreiben. Nähere Einzelheiten zu der gesamten Angelegenheit finden Sie in dem ausführlichen Bericht meiner Kollegin Stefanie Meierhold.

Erwähnenswert ist nicht nur die Tragik, dass man durch ein Geschenk, was aus Liebe gemacht wurde, im Rollstuhl landet und einer Versicherung, die ein nahezu unmenschliches Regulierungsverhalten an den Tag legt, sondern vor allem auch die Methoden des Landgerichts Tübingen, wie hier von dem verantwortlichen Vorsitzenden Richter die Rechtspflege betrieben wird.

Es wurde in dieser Angelegenheit entgegen dem eindeutigen Gesetzeswortlaut keine Güteverhandlung durchgeführt. Die schriftliche Zeugenaussage des Hauptbelastungszeugen der Versicherung, dem Tandemmaster, der selbst nicht haften wollte, wurde zum Gegenstand der Verhandlung gemacht. Der Vorsitzende Richter ließ von der ersten Minute der Verhandlung keinen Zweifel daran, dass er davon ausgeht, dass der Mandant bewusstlos war und dass er der Klage nicht stattgeben wird. Ein derartiges Vorgehen, bzw. eine derartige Verhandlungsführung ist – insbesondere im Hinblick auf die Tragik des Falls – vollkommen unangebracht.

Im Ergebnis hat sich die Versicherung rund 640.000,00 € gespart. Den Vergleich finden Sie hier.

Es ist daher sehr empfehlenswert, bei derartig tragischen Unfällen das „Schadenmanagement“ in professionelle Hände, z. B. in die eines Rechtsanwalts, zu geben. Vergleichen mit dem potenziellen Schaden sind die Kosten hierfür sehr gering.

Rechtsanwalt Carsten W. Rücker

Wir beraten Sie gerne zum Thema Versicherungsrecht. Nehmen Sie Kontakt mit uns auf.


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