Arzthaftung bei doppeltem Kunstfehler

In einer Entscheidung vom 15.11.2016 nahm das OLG Hamm dazu Stellung, welchen Arzt die Haftung trifft, wenn nach einer fehlerhaften Behandlung die dadurch erforderliche Revisionsbehandlung durch einen anderen Arzt ebenso fehlerhaft ist.

Sachverhalt:

Die Betroffene und spätere Klägerin wurde im Jahr 2009 im später beklagten Krankenhaus am Magen, wegen eines sog. „Upside-Down-Stomach“ operiert. Hierbei waren die Nähte fehlerhaft und der Magen wurde nicht richtig befestigt. Deswegen begab sich die Klägerin zwei Monate später in eine andere Klinik zur erneuten Operation. Jedoch wurden hier von den behandelnden Ärzten ebenso Fehler gemacht. Die Folge war, dass der Betroffenen später der Magen teilweise entfernt werden musste und eine dauerhafte Schädigung zurückblieb. Es folgten mehrere stationäre Aufenthalte in Krankenhäusern und mehrere Operationen.

Die Klägerin nahm die Klinik, welche mit den fehlerhaften Nähten den ersten Fehler begangen hatte, wegen der der folgenden Behandlungen, also auch der fehlerhaften Revisionsbehandlung und der nunmehr bestehenden Dauerschädigung in Anspruch. Erstinstanzlich jedoch wurden der Klägerin lediglich Entschädigungen für die, unstreitig fehlerhafte, Behandlung im Hinblick auf die Nähte zugesprochen. Die weitere Verantwortlichkeit trage die zweite Klinik.

Dem widersprach nun das OLG Hamm in zweiter Instanz und verurteile die beklagte Klinik zum Schadensersatz wegen sämtlichen Folgen.

Begründung

Nach dem OLG Hamm ist nach einer fehlerhaften Behandlung grundsätzlich auch für fehlerhafte Folgebehandlungen und Folgeschäden Schadensersatz zu leisten, da diese durch den ursprünglichen Behandlungsfehler hervorgerufen worden seien. Eine Unterbrechung des sog. Zurechenbarkeitszusammenhangs komme nur unter bestimmten Voraussetzungen in Betracht. Dies sei zum Beispiel der Fall wenn „das Schadensrisiko der Erstbehandlung im Zeitpunkt der Weiterbehandlung schon gänzlich abgeklungen war“. Dies ist dann der Fall, wenn sich der Behandlungsfehler des ersten Behandlers nicht mehr auf den weiteren Verlauf auswirkt.
Gleiches gelte, wenn „der die Zweitschädigung herbeiführende Arzt in außergewöhnlich hohem Maße die an ein gewissenhaftes ärztliches Verhalten zu stellenden Anforderungen außer Acht gelassen und derart gegen alle ärztlichen Regeln und Erfahrungen verstoßen hat, dass der eingetretene Schaden seinem Handeln haftungsrechtlich-wertend allein zugeordnet werden muss“.
Dies war vorliegend aber nicht der Fall. Der zweite Behandlungsfehler war nach den gerichtlichen Feststellungen nicht derart ungewöhnlich, dass er als besonders grober Behandlungfehler eingestuft werden musste.

Somit fand keine Unterbrechung des Zurechenbarkeitszusammenhangs statt und die erstbehandelnde Klinik war für sämtliche Behandlungen und Folgeschäden ersatzpflichtig. Unter anderem wurden der Klägerin daher 70.000 € Schmerzensgeld zugesprochen.
OLG Hamm, Urteil vom 15.11.2016 – Az.: 26 U 37/14

Ihr
Rechtsanwalt und Fachanwalt für Medizinrecht Carsten W. Rücker
und Ihre
Wiss. Mit. Stefanie Meierhold

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